Religion und Rückständigkeit

Aus der Beschäftigung mit der politischen Rolle der Religionen zeigt sich, dass ihre Werte durchaus in die Menschenrechte eingegangen sind, aber ihr Verhalten viel mehr mit rückständigem Konservativismus und der Gier nach Geld verbunden ist.

Das Amalgam (die Vermischung) der gesellschaftlichen ORDNUNG und der religiösen Mitsprache wirkt meistens verschleiernd, statt die Quellen der kirchlichen Schätze als Gemeinschaftswerk und als Raubgut an Ketzern und Hexen aufzudecken.

Beides hat Konsequenzen:
Die öffentliche Nutzung von Gemeinschaftsgut

  • Die Freiheit der Armut hatte schon Franziskus als Reform der Kirche vorgeschlagen und selbst vorgelebt
  • Die gemeinschaftliche Verwaltung der öffentlichen Güter bildet Verantwortung und entlastet bisher Verantwortliche

Die Rückgabe oder öffentliche Nutzung des Raubgutes

  • Die Modelle von Einsicht, Entschuldigung und Versöhnung sollten kirchliche Fähigkeiten sein
  • Wo keine Enteigneten überlebt haben, soll der Raub-Besitz gegen weiteres Unrecht eingesetzt werden.

Dagegen steht allerdings

die alte Neigung der Hierarchen zum Faschismus

In der Biografie und Geschichte der Freunde und der Geschwister Scholl stolpert die Nachkriegszeit in ihrem wenig bewussten Postfaschismus:

Die christliche Familie, ob protestantisch, katholisch oder orthodox, hatte eine Werte-Orientierung, die in den frühen Jahren des Faschismus bis 1934 /1936 bei vielen Menschen zur positiven Gläubigkeit für die „nationalen – sozialistischen“ Ideen von Anstand, Gesundheit, Freiheit … führten.

Den Jugendlichen waren entsprechende Auseinandersetzungen geläufig:

Die Wandervogel-Bewegung

hatte, beginnend um die Jahrhundertwende, eine europäische Jugend-Bewegung ausgelöst:

Die Revolution der Studentenschaften von 1814 war niedergeschlagen worden, die Polizei-Apparate der europäischen Länder begannen die internationale Zusammenarbeit gegen Aufruhr, in den  Burschenschaften brachten die „Alten Herren“ mit viel Freibier und gemeinsamem Pfeifen-Rauchen die „Füchse“ wieder in die passenden Karrieren, mit „Farben tragen“ und „Schmiß“, dem Degenfechten mit gezielter Verletzung, mit der Pflege ständischer Ordnung.

DAGEGEN und gegen den ungesunden Lebensstil der Zeit wandte sich die Bewegung am Monte Verita, die dort ein Sanatorium aufbaute, zu dem auch Hermann Hesse zum Alkohol-Entzug gekommen war: Die Freikörper-Kultur der „Sonnen-Anbeter“ verbreitete sich über aufgeschlossene Ärzte und Vereine auch in den Städten mit öffentlichen Sonnenbädern, um die allerdings die altbürgerliche Moral drei Meter hohe Holzwände ohne Astlöcher forderte, in Maria Einsiedel in München. aber auch im Berner „Bäreli“ sind sie immer noch zu finden.

Naturisten hatten wie die Sozialisten in der Schweiz die Möglichkeit, sich ohne Polizeispitzel zu treffen, über Freie Liebe zu diskutieren, Ausdruckstanz und Gartenarbeit, Veganismus und Psycho-Analyse, und ihre Wirkungen in die Kunst und Theater der Städte blieben nicht aus: Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und nackter Ausdruckstanz waren zwar verboten, aber um so interessanter in geschlossenen Aufführungen zu erleben.

Aufgeschlossene Pädagogen begannen mit Wandertouren, die sich zur Bewegung entwickelten: Auch Robert Jungk berichtete von gemeinsamen Ausflügen „ins Blaue“ an jedem Wochenende in der selbst organisierten Gruppe, von denen es die verschiedensten gab: Jungs, gemischt, Mädchen, arisch, jüdisch, … und dann parallel auch die Jugendverbände der Sozialisten, der Kirchen, der militaristisch geordneten Pfadfinder.

Die Gleichschaltung 1934

zwang alle Jugendorganisationen und ihr Vermögen in die Hitlerjugend.

Machtübernahme und Feme-Morde

Die Gleichschaltung aller Jugendbünde und Verbände kam 1936 und das Verbot der Bündischen Jugend, ihrer Kothen und Kleidung wurde regelmäßig unterlaufen, vor allem von Gruppen, die von tusk und der dj1.11 , der deutschen jugend vom 1.11.1929 angeregt waren, und die manchmal, wie in Ulm und unter den Scholl-Jugendleitenden offiziell unter Hitlerjugend marschierten, aber abends ganz andere Lieder am Lagerfeuer sangen.

      • Seine Anziehungskraft für viele Wandervögel konnte der Nationalsozialismus auch dadurch entfalten, dass er viele Ausdrucks- und Lebensformen, Symbole und Rituale der Jugendbewegung aufgriff und für seine Zwecke missbrauchte. Dabei wurden äußere Symbole, Rituale, Begriffe und Werte oft in ihrer inneren Substanz verzerrt oder ins Gegenteil verkehrt. http://wandervogel.at/lib/exe/fetch.php?media=djwv:kefermarkter_erklaerung.pdf

Pamuzinda in der Kulturjurte

Kulturjurte als neuer Bildungs-Wandervogel

Hans Scholl und Alexander Schmorell: „Verschwiegene“ Mediziner, die Freiheits-Aktionen planen & FlugBlätter verbreiten

      • Eine andere gängige Methode der Gestapo war es, die Jugendlichen zu Kommunisten abzustempeln und sie auf dieser Grundlage zu verfolgen. Als „Beweis“ dafür diente der in vielen Bünden der 1920er und frühen 30er Jahre verbreitete Russenkult. Vor allem die dj.1.11 mit ihren russischen Liedern und Balalaikas galt als „kulturbolschewistisch verseucht“, nicht zuletzt weil deren Führer Eberhard Koebel vorübergehend Mitglied der Kommunistischen Partei gewesen war. So hetzte die Führerzeitschrift der HJ „Wille und Macht“ schon 1933: „Bündische Jugend ist heute Bolschewismus“.
      • Gelang es nicht, Jugendliche aus politischen Gründen zu verfolgen, wurde auch das Verbot der Homosexualität herangezogen – dies allerdings zumeist als reiner Vorwand mangels anderer Belastungsmöglichkeiten, wie 1941 in einem Lagebericht der HJ freimütig eingestanden wurde: „Bei der Bekämpfung der Bündischen Jugend aus politischen Gründen gelang mangels anderer gesetzlicher Grundlagen die Zerschlagung der Bünde fast immer auf dem Wege über ein Strafverfahren wegen Vergehens nach §175 StGB.“ [1] http://www.jugend1918-1945.de/thema.aspx?s=5322&m=3447&open=5322

Hans Scholl hatte schon 1937 ein Verfahren wegen „bündischer Betätigung“ und §175 und hatte sicher schon eine Akte, denn:

      • Die HJ-Fahne der Ulmer zierte auch ein Wimpel der dj1.11, den Hans dort angebracht hatte: Dieser wurde beim Reichsparteitag (1935) konfisziert. Nach: Jäger und Gejagte: Über den deutschen Widerstand im Dritten Reich und was aus Tätern und Opfern wurde; von Bernd Wohlgut

Gleichschaltung in HJ / BDM / Jugendherbergswerk

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    • ludwigstein-Blick-auf-Hanstein

Die Burg Ludwigstein war nach dem 1. Weltkrieg ein Ort des Gedenkens geworden, denn die Erlebnisse von Front, Schützengraben und Gaskrieg und der Verlust vieler Kameraden sowie die Einsicht in die eigene Verführbarkeit für die nationale Idee wirkten nach.
Die Gruppen hatten sich in vielerlei Art spezialisiert, in den Breiten der Landschaften wie in den Themen der großen Städte: Jungs, Mädels, miteinander, getrennt, mit Juden, ohne, oder nur jüdisch, politisch oder mit Sport, Fotografie, vegan, tanzend, philosophisch, literarisch ….

1936 war damit endgültig Schluß:

Gleichschaltung hieß: Unter Kommandostrukturen der Reichsregierung, die Burg musste an das Jugendherbergswerk übergeben werden, das schon bestehende Archiv ging nach Berlin.

Arbeits- und Kriegsdienste

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Die Führung hatte auch genug Aufgaben, die in der Bezeichnung ähnlich klangen, wie die Arbeitsgemeinschaften für Regionalentwicklung zum Beispiel, die in einzelnen Gegenden für Arbeitsplätze sorgen wollten:
Nun wurden militärisch organisierte Zwangsdienste die Voraussetzung für Ausbildungen und das Studium, legten Moore trocken und bereiteten Autobahnbau vor. Der Übergang in die Deutsche Arbeitsfront DAF und in Strukturen von Partei und Militär waren vorbereitet.

Verfolgung und Untergrund

Ohne Treffen und öffentliche Erkennbarkeit wie die Kluft kamen keine neuen Kontakte zustande, die bündische Betätigung war ja verboten und unter Verdacht, die Zeichen und Kommunikation verschwanden und wurden von Angst besetzt.

 – noch nicht abgeschlossen –

 

Mehr dazu:

http://befreiungsbewegung.fairmuenchen.de/robert-jungk-atomstaat-kritiker/

http://eineweltnetz.org/die-wandervogel-geschwister-scholl/

http://gemeinschaftlich-forschen.wikispaces.com/Wandervogel

und bei Hexenflug:

Religion und Rückständigkeit

 

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