Goldene Nasen im Rüstungsgeschäft

Die Unfähigkeit zu trauern macht uns politisch dumm

Die Unfähigkeit zu trauern

Es war ein provozierender Buchtitel, und er traf den Nerv: Auch die Vereinigung der Psychoanalytiker musste ihn in den 1960er Jahren öffentlich zurückweisen und sich distanzieren.

Das Ehepaar Mitscherlich

hatte, wie viele andere, in den USA das Nazi-Reich überlebt und kam in eine Gesellschaft zurück, die nicht mehr wissen wollte. Der Postfaschismus hatte schon 1950 beschlossen, die Entnazifizierung zurück zu nehmen und alle Beamten und Richter wieder in ihre Ämter einzusetzen, da sich nun alle gemeinschaftlich mit den Kirchen für unschuldig am Faschismus erklärt hatten.

Psycho-Analyse und Unschuld

Die Psychoanalyse hätte viele Begriffe dafür, aber sie hatte auch eine düstere eigene Motivation:

Die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung

hatte sich frühzeitig für „judenrein“ erklärt, um die eigenen Wurzel aus der jüdischen Forschung und Medizin zu kappen, die in der „Neuen Zeit“ zur Abwehr und zum Vorwurf hätten werden können, und die „deutschen Ärzte“ hatten mit der Auswanderung und dem rassistischen Berufsverbot der jüdischen Ärzte viele Praxen und Wohnungen übernehmen können:

Sigmund Freud und seine späte Flucht

hatten mit seiner Erkrankung an Zungenkrebs und seiner Sturheit zu tun, seine Tochter Anna war schon länger nach London gegangen und die Judenverfolgung hatte schon ihre ersten diskriminierenden Stufen erreicht, bis Freud endlich der Auswanderung nach England zustimmte.

Wilhelm Reich und die SEXPOL der Aufklärung

hatte schon früh zu einer Politisierung der psychoanalytischen Arbeit in Berlin geführt, die aber von den deutsch-nationalen konservativen Ärzten bekämpft wurde: Armut und Kapitalismus waren für sie keine Themen, und die Strafbarkeit der Abtreibung kein Problem: In aller Stille war manches möglich, und die „Engelmacherinnen“ waren, wie die sexuelle Aufklärung, eher eine Konkurrenz ihres spießigen Denkens.

Reich hatte ein großes Netzwerk der Frauenverbände, der sozialistischen Lebensreform-Gruppen und jugendlicher Mitwirkender an den Schulen aufgebaut, in dem auch Ernest Bornemann mitwirkte.

Wilhelm Reich und seine amerikanische Bücherverbrennung

Die spätere Forschung des über Norwegen in die USA emigrierten Wilhelm Reich zum Entstehen des Leben und zur Lebenskraft „Orgon“ wurden von den amerikanischen Behörden verboten und vernichtet, so dass auch seine Erwähnung in den körper-bezogenen Übungen wie „Radix“ oft nur leise erfolgte:

Fritz und Laura Perls in der Marxistischen Arbeiterschule Berlin

hatten Vorträge für alle angeboten, um die Erkenntnisse der Psychoanalyse allen zugänglich zu machen. Fritz Perls, der in seinen jungen Jahren auch einmal bei Max Reinhardt Theater spielen gelernt hatte, suchte in seiner Gruppenarbeit nach Formen, wie auch größere Gruppen zu gemeinsamer Erkenntnis weiter kommen können.

Paul Goodman und die Kritik am Schulsystem

habe ich in Gestaltleben etwas skizziert:

Paul Goodman war der politische, schriftstellerische Kopf in der Gruppe der Formulierenden: Mit den beiden Freud- und Reich-Schülern Perls, Fritz und Laura, die als marxistisch denkende junge jüdische Psychoanalytiker aus dem faschistisch gewordenen Berlin zuerst über die Niederlande nach Südafrika geflohen waren und dort die Psychoanalyse ansiedelten und weiter entwickelten, und Dr. Ralph Hefferline: Zusammen schreiben sie das erste Kompendium der Gestalt Therapy, in New York 1951 erschienen. Darauf reagierten zuerst die kriegs-kritischen Bewegungen und Gruppen der breiten US-Hippie-Bewegung, dann das aufgeschlossene künstlerische Establishment der Staaten.

Erst mit Aufwachsen im Widerspruch (1960) bekam er größere Resonanz – über die Alternativ-Blätter hinaus.

Es war eine fundamentale Kritik am stoff-orientierten Bildungssystem, die leider bei uns in Bayern bis heute voll gültig ist.

Richard Kitzler: „Für Paul Goodman war die Psychoanalyse ein fruchtbarer Boden, auf dem man stehen und wachsen konnte.
Als Architekt einer Theorie der Gestalttherapie setzte er diesen Gedanken um, ging dann von der Psychoanalyse weiter zu Reich und schließlich über Reich hinaus und kam zur Gestalt.
Aus seiner Sicht entwickelt sich die Gestalttherapie von Charcot über Freud und Reich bis zu uns.“ in: http://www.gestalt.de/laura_perls_trialog.html

Anarchist, Poet, Romanschreiber, Kurzgeschichtenschreiber, Psychologe, Soziologen, Erzieher, Ökonom etc etc …

„Seine großartige Analyse über Amerika ist schlecht übersetzt in dem ‚Verlag Darmstädter Blätter‘ erschienen („Aufwachsen im Widerspruch“; Originaltitel „Growing up Absurd“). Er starb 1972. Ich finde, er hat einen erheblichen Beitrag zur Weiterentwicklung der anarchistischen Theorie (vor allen Dingen Kropotkins) geleistet.“ schreibt Stefan, Münster auf http://archivtiger.de/database/zs/s … le/sp_9/sp8_sp9.html

Mein Beitrag gesammelt auf http://coforum.de/?5317

Paulo Freire und Augusto Boal: Pädagogik und Theater der Unterdrückten

TheaterMachtPolitik.jpg„Ich komme mehr und mehr zu der Überzeugung, daß echte Revolutionäre die Revolution aufgrund ihres schöpferischen und befreienden Wesens als Akt der Liebe begreifen müssen. […]

Revolution wird von Menschen gemacht, um ihre Vermenschlichung durchzusetzen.

Welches tiefere Motiv gibt es eigentlich, das Menschen dazu treibt, Revolutionäre zu werden, wenn nicht die Entmenschlichung des Menschen?“

(Paulo Freire: Pädagogik der Unterdrückten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1973. S.73)

mit Dank aus dem Rundbrief des Paulo Freire Zentrum für transdisziplinäre Entwicklungsforschung und dialogische Bildung im C3 – Centrum für Internationale Entwicklung – www.centrum3.at  Sensengasse 3, 1090 Wien www.paulofreirezentrum.at Besuchen Sie das Paulo Freire Zentrum auch auf Facebook: http://www.facebook.com/paulofreirezentrum

Paulo Freire entwarf zusammen mit seinem Mitarbeitenden-Umkreis und Studierenden mit der befreienden Pädagogik Von der Pädagogik der Unterdrückten bis zur Pädagogik der Hoffnung und der Pädagogik der Autonomie) eine Reihe von Grundlagen der Bewusstseinsbildung, die von der Alphabetisierung bis zur Gemeinschaftlichen Forschung reichen.

Die Zukunftswerkstatt des frühen Wandervogel Robert Jungk

In drei Ebenen entstehen unsere Methoden für Zukunft und gegen Stagnation und Angst: Gemeinschaftlich Forschen

Die erste Ebene ist die ganz normale Zukunftswerkstatt: Eine Einrichtung oder Gruppe, eine Initiative oder ein Verein möchte die eigene Zukunft entwickeln:

Zukunftswerkstatt nach Robert Jungk in den drei Phasen:

  • Kritikphase oder Analyse: Was brachte uns ins stocken?
  • Wunschphase oder Utopie: Von persönlichen Träumen zu gemeinschaftlichen Zielen und Gesellschaftsbildern
  • Verwirklichung oder Strategie: Unsere Fähigkeiten und Kräfte und Unterstützungen, die wir uns organisieren können

Dazu kommt nach all den langjährigen Erfahrungen auch noch eine Reflexion nach einer Einarbeitungszeit und je nach Ernst der Lage weitere Begleitung.

Die zweite Ebene ist die Aus- und Fortbildung zur beteiligenden Moderation und die Anwendung in interessierten Gruppen, im benachbarten Stadtteil oder einer befreundeten Initiative …

Die dritte Ebene ist die gemeinschaftliche Zukunftsforschung, die auch all die neuen Entwicklungen einbezieht, die zwischen Finanzmärkten, globalen EineWelt-Entwicklungen und den internationalen Bewegungen wie Sozialforen und Transition-Town-Initiativen, neuen Gärten und Bürgerinitiativen wachsen.

Der Einstieg geht leider nur durch die Erfahrung von eins über zwei nach drei:
Die literarische Möglichkeit bei der Robert-Jungk-Zukunftsbibliothek kann das begleiten …

Reform-Pädagogiken und ihr Scheitern in Täuschland

Abstürzende Gesellschaften
Spannend, wie die Einzelnen auf das Stichwort reagieren …
… und dass die Lage unserer Veranstaltung im Osten von Vielen sofort auf die dortige Situation assoziiert wird.
In meiner Ausgangslage war die Thematik aber breiter gedacht, und die KollegInnen aus dem Westen werden durchaus auch die Betrachtung der eigenen Situationen einbringen.

Abstürzende Gesellschaft heißt für mich auch nicht in erster Linie Sozial-Abbau, auch wenn das eine logische Folge der derzeitigen Situation ist, sondern das Ende der hochfliegenden Träume, dass das Konkurrenz-System (oft auch Kapitalismus genannt) auch für alle anderen sorgen würde, wenn es nur sozial-demokratisch gebändigt würde. Das hatte es nie vor.

Abstürzende Gesellschaft findet für mich schon viel länger in Kultur und Schule statt: Die Unfähigkeit der „Hochkultur“, mit der Gegenwart umzugehen, die Blindheit der Breitenkultur für z.B. Migranten und politische Wahrheiten, Welt-Ausbeutung, …
und auch die Unfähigkeit vieler Berufe, ihre Erlebnisse und Erfahrungen qualifiziert wieder in die Gesellschaft zurückzugeben: Therapeuten erleben reihenweise Schul-Schäden, Lehrkräfte sind seit langer Zeit überfordert, aber als Beamte anscheinend zum Schweigen verurteilt …

Abstürzende Gesellschaft ist die Dialog-losigkeit in einer überspezialisierten Subventions- und Verwaltungspolitik, die weder von Parteien noch von Initiativen genügend artikuliert werden kann. Die Denk-Blockaden in der Besten aller Demokratien, dass auch andere Demokratie-Formen denkbar wären, gehört ebenso dazu wie Familien-Ideologien versus realer Mehrheiten von Alleinerziehenden und Patchwork-Familien, Anders- und Allein-Lebenden.

Sterbende Gesellschaften wie jene afrikanischen Staaten, die sich der Wahrnehmung von sexuellen Wahrheiten und der Auswirkungen der Aids-Infektionen verweigern, machen uns drastisch vor, was uns allmählich erreicht:
Das Aussterben der innovations-unfähigen Regionen und Städte ist klar prognostiziert: Schon leben in manchen Gemeinden keine Menschen unter 40 Jahren, beginnen Abriss-Unternehmen, Mietblöcke aus den Städten zu entfernen … die Auswirkungen der geistig beschränkten Familien- und Zuwanderungspolitik. Die Ära Kohl (16 Jahre !!!) ist da noch lange nicht überwunden, und von rot-grün kann in derzeitigen Verbesserungen keine wirkliche Innovation erwartet werden.
Die Überalterung ist nur ein kleines unserer Themen, wenn wir den internationalen Kontext aufmachen.
Die Lust am Untergang ist eine wichtige Kraft, wenn im Untergang der bestehenden Systeme die Neuen Strukturen gedacht werden können: Renovierende ohne Kraft lassen möglichst viel beim Alten, wilde Neuerer planen großes ohne menschliches Maß:
Wie ist das rechte Maß zu halten? Ganz einfach: durch hohe und höchste Beteiligung möglichst Aller.

Der mangelnde Gemeinsinn der Bischöfe
versucht wieder einmal, von oben herab die soziale Frage mit Ermahnungen zu lösen und lässt die eigene Praxis doch weitgehend außer Acht: Wie inzwischen auch den Grünen übersehen sie aus ideologischer Rechthaberei, (wie alle Sekten), welche Potentiale ihnen mit den Abtrünnigen verloren gegangen sind, und dass sie diese nicht irgendwo käuflich erwerben können.

Die Unfähigkeit zu solidarischer Politik
Wir haben auch schon abstürzende Zukunftswerkstätten erlebt …

Despair und empowerment von Joanna Macy
Mit Verzweifeln und stark werden hatten wir (in ibu, der initiative für politische bildung von unten, münchen ca. 1983-1988)Seminare gestaltet, unsere verletzten Gefühle in der Friedensbewegung und durch die neuerliche Raketen-Stationierung und den politischen Verrat der „christlichen“ Politik bearbeitet.

(war auch mal erschienen als: „Mut in der Bedrohung“, Friedensarbeit im Atomzeitalter. Ein Selbsterfahrungsbuch bei Goldmann New Age 14046) und wurde Grundlage der Tiefenökologie: Joanna Macy Die Wiederentdeckung der sinnlichen Erde, Wege zum Ökologischen Selbst
Asylpolitik, transition towns, internationale Partnerschaften, microKredite und Genossenschaften, www.hain24.org

… wächst das Rettende auch?

Friedrich Hölderlin
Patmos
__DEM LANDGRAFEN VON HOMBURG__

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
Im Finstern wohnen
Die Adler und furchtlos gehn
Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
Auf leichtgebaueten Brüken.
Drum, da gehäuft sind rings
Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten
Nah wohnen, ermattend auf
Getrenntesten Bergen,
So gieb unschuldig Wasser,
O Fittige gieb uns, treuesten Sinns
Hinüberzugehn und wiederzukehren.

So sprach ich, da entführte
Mich schneller, denn ich vermuthet
Und weit, wohin ich nimmer
Zu kommen gedacht, ein Genius mich
Vom eigenen Hauß‘. … (Link ALLES)

Dem folgt deutscher Gesang.
__http://www.hoelderlin-gesellschaft.de/texte/oden/patmos.html__
volkschor München Ost

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