Magnus Hirschfeld: Phantom Rasse

Nur in Berlin gab es die Feierstunden, weil das restliche Land noch nicht so weit gehört hatte? In der SZ schrieb Prantl eine Würdigung, für den

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Magnus Hirschfeld hatte die Berliner Kriminalpolizei davon überzeugen können, dass Homosexualität kein „erworbenes Laster“ sondern „unausrottbar“ ist, und die Beamten daraufhin erkannt, dass es einfacher ist, die „Urninge“ unter Kontrolle zu behalten, wenn man ihnen Freiräume lässt. Insofern hatten er als Mediziner und anerkannter Experte in Fragen der Sexualität sowie seine politischen Mitstreiter im bereits 1897 gegründeten „Wissenschaftlich-humanitären Komitee“ (WhK) tatsächlich ihren Anteil an einer aufblühenden homosexuellen Subkultur. Die allerdings schnell wieder durch die Stiefel der Nationalsozialisten in Grund und Boden gestampft wurde. biografien/magnus-hirschfeld/

Sexualwissenschaft war damals eine weltweit führende Kompetenz in Deutschland, sein Institut hatte höchste Anerkennung, bis es die Nazis ruinierten. Bei der von den Hochschulen in allen Städten inszenierten Bücherverbrennung, die ein Archiv-Professor in der Münchner TU grade noch einmal als studentischen Klamauk relativieren wollte, wurde in Berlin der Kopf seiner Büste mitgetragen.

150 Jahre Magnus Hirschfeld

Mit 29 Jahren hatte Hirschfeld  als junger Arzt schon gegründet, weil die Arbeit am größten Tabu, der Homosexualität, als Arzt im größeren Zusammenhang sah: Von der Norm abweichende Arten der Geschlechter, in sexuellen Zwischenstufen, was bis zum Blick führte: „Den Vollmann oder das Vollweib gibt es nicht“ über Magnus Hirschfeld (1868-1935), der heute 150 Jahre alt geworden wäre. Als Arzt und Sexualwissenschaftler begründete er in Berlin die erste homosexuelle Emanzipationsbewegung.

Einen kritischen Blick auf die „Rasse“ddjvglgw0aexuf2

Hirschfeld bestritt die damalige medizinische These der Rassenlehre, wie sie heute mit den Augen der Genetik bestätigt wird: Rasse und Hautfarbe sind dumme Denk-Schema, medizinisch sind wir alle viel mehr verwandt, als es nachweisbare Unterschiede gäbe.

Aber auch die Themen der Bisexualität waren ihm schon vertraut, was ihn den Nazis so verhasst machte, die mit ihrem Klein-Familienbild bis heute wirken: Ihre Mutter-Propaganda hatte sich allerdings nicht gelohnt, die Kinderzahl fiel im „3. Reich“ ganz enorm.

Er hatte auch einen großen forschenden Umkreis aufgebaut:

Magnus Hirschfeld gehörte zum Dichter- & Freundeskreis der Friedrichshagener im Osten von Berlin, u.a. mit Gustav Landauer, Erich Mühsam & dem Verleger Wilhelm Spohr: Anarchisten, Kritiker & Innovatoren der Freien Volksbühne Berlin & Anstifter zu Genossenschaften, Förderer der Idee der Gartenstädte als gemeinschaftliche Lebensform.

Heute haben sich die Tabus nur wenig verändert:

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Es gehört zu den Schandtaten der jungen Bundesrepublik, dass sie die NS-Verfolgung der Homosexuellen mit rasendem Eifer fortgesetzt hat. Die von den Nazis verschärften Strafvorschriften blieben fast 25 Jahre so scharf, wie die Nazis sie gemacht hatten. Und die Homosexuellen, die die Konzentrationslager überlebt hatten und von den Alliierten befreit worden waren, wurden von den Gerichten der Bundesrepublik „zur Fortsetzung der Strafverbüßung“ wieder eingesperrt. „Ein Mann, der mit einem anderen Mann …“ – dieser Mann wurde behandelt wie ein gefährlicher Staatsfeind. Keine andere Gruppe ist in der Bundesrepublik vom Staat so systematisch und ausdauernd verfolgt worden wie die Homosexuellen. prantls-blick-zum-katholikentag-die-spucke-im-gesicht-gottes

Der elende Paragraf 175

Der Homosexuellen-Verfolgungsparagraf 175 Strafgesetzbuch existierte vom 1. Januar 1872 bis zum 11. Juni 1994. Bundesjustizminister Gustav Heinemann (SPD), der spätere Bundespräsident, begann bei der großen Strafrechtsreform von 1969 damit, den „175“ zu schleifen; es dauerte dann noch weitere lange 25 Jahre, bis der Paragraf ganz weggeräumt war. Aber auch dann versank die rigide Straferei der damals sogenannten „männlichen Unzucht“ noch nicht im Plusquamperfekt. Denn die alten Strafurteile – sie galten nach wie vor. Es dauerte noch einmal 22 Jahre, bis der Bundestag die Rehabilitierung der Schwulen beschloss und die Bestrafung von Homosexuellen nach Paragraf 175 rückgängig machte.

Ein „Wissenschaftlich-humanitäres Komitee“ (WhK)

hatte es auch in München gegeben:

 

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